Donnerstag, 3. August 2023

Durch die Blume gesagt

Ich wusste nicht was mir blühte, als ich zu wachsen begann und jedes Wort das fiel, landete stets auf der Goldwaage.

Täglich saß ich auf dem Präsentierteller in der Falle. Obwohl ich im goldenen Käfig gefangen war und auf heißen Kohlen saß, ging mir der Arsch auf Grundeis.

Die Schmetterlinge in meinem Bauch logen mir täglich das Blaue vom Himmel und die Zeit wusste damals noch nicht, dass sie Wunden heilen kann.

Ich langweilte mich zu Tode und wollte nicht länger eine ruhige Kugel schieben. Bevor mir der Kragen platzte und ich aus meiner blassen Haut fuhr,  machte ich mich lieber eines Tages aus dem Staub. Ich legte die Karten auf dem Tisch, fasste ein Reiseziel ins Auge, packte meine Koffer und schweifte in die Ferne. Gott sei Dank, reiste ich mit leichtem Gepäck. Leicht wie eine Feder, da ich gerne ein leichtes Spiel habe und das ja bekanntlich leichter gesagt als getan ist. Leichtfüßig zog ich zunächst rastlos umher doch dann brauchte ich eine Verschnaufpause, ich brauchte dringend Rast und Ruh. Mit einem Brett vorm Kopf und wenig Holz vor der Hütte lag ich also gechillt im Gras bis es über die Sache wuchs.

Ich hatte wirklich großen Mut, das Weite zu suchen. Ich machte drei Kreuze, fasste mich an die eigene Nase und schlüpfte unter dem Pantoffel heraus, unter dem ich - mit Tomaten auf den Augen – stand. Ich hatte mir schon als Kind gewünscht, ich hätte dort sein können, wo der Pfeffer wächst, um in der Versenkung zu verschwinden.

Und heute war es soweit: Ich habe den Blick nach vorne gerichtet, neue Horizonte entdeckt und ein neues Kapital aufgeschlagen. Ich weiß, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und manchmal schreibt das Leben eben seine ganz eigenen Geschichten.  Alles kann sich von einem Moment auf den anderen ändern und es kam tatsächlich anders als gedacht.

Just, als ich dachte am Ziel meiner Träume angekommen zu sein, nach meiner lange Suche nach Glück, fiel ich plötzlich aus allen Wolken direkt in die Höhle des Löwen. Er öffnete mir die Türe wie ein guter Gastgeber. Da sah es aus wie Kraut und Rüben und ich merkte schnell, dass mit dem Löwen nicht gut Kirschen essen war. War er etwa nicht der König der Tiere oder war ich tatsächlich auf dem Holzweg? Hatte mir jemand Steine in den Weg gelegt? Ich kam vom rechten Weg ab und fand einen Apfel, der viel zu weit vom Stamm fiel. Um meinen Hunger zu stillen, musste ich wohl oder übel, in den sauren Apfel beißen, weil die Trauben viel zu weit oben hingen. Da hatten wir nun plötzlich den Salat und die Suppe musste ich dann wohl doch alleine auslöffeln. Etwas lag mir im Magen. Obwohl wir scheinbar auf derselben Wellenlänge schwammen, wovon ich ein Lied singen kann, lag nur in der Kürze die Würze. Ich fühlte mich hier gar nicht wohl und wollte sofort die Flucht ergreifen. Ich schmückte mich rasch mit fremden Federn, in der Hoffnung nicht erkannt zu werden, wenn ich die Flinte ins Korn werfe, um das Weite zu suchen. 

Ich fühlte mich so gar nicht wohl in meiner Haut und wollte nicht um den heißen Brei herumreden. Darum zwang ich mich ein Fass aufzumachen und allen anderen, besonders aber mir, reinen Wein einzuschenken. Leider hatte er nicht mehr alle Tassen im Schrank. Dennoch hatte er etwas auf dem Kasten. Ich klopfte auf Holz und plötzlich ging mir ein Licht auf. Das war wohl gar nicht der Löwe im Käfig, sondern der Wolf im Schafspelz. Schlau wie ein Fuchs zog ich mich gekonnt aus der Affäre. Ich legte einen Zahn zu, denn er machte mir den Hof und wollte mir offensichtlich auf den Zahn fühlen. So gab ich mir den Laufpass und richtig Zunder. Ich suchte das Weite! So fluchtartig das Feld zu räumen war die beste Idee meines Lebens. Ich machte mich also heimlich aus dem Staub und war auf und davon.

Doch kaum war ich weg, versank ich in Einsamkeit und war traurig wie ein verlorenes Kind. Doch während ich wie ein Schlosshund heulte, fiel mir plötzlich ein Stein vom Herzen. Ich sah hinab und sah schon die Spitze des Eisbergs. Etwa das Sahnehäubchen? War ich also schon unter der Haube?

Weg damit, ich musste einen kühlen Kopf bewahren, gelassen bleiben und die Ruhe selbst sein. Ruhig versuchte ich auf dem Teppich zu bleiben und nicht ständig auf dem Schlauch zu stehen. Erst hatte ich diesen Kloß im Hals, bekam dann doch schnell einen grünen Daumen. Unerwartet lief mir auch noch die Galle über. Ich musste das Ruder wieder selber übernehmen und mein Schiff wieder auf Kurs bringen, bevor ich über Bord gehe und das sinkende Schiff verlasse. 

Gott sei Dank habe ich das Handtuch nicht geworfen, denn eine unverhoffte Wendung tat sich mir plötzlich auf. Bei genauem Hinsehen fiel mir auf, dass meine Besten Freunde, Hinz und Kunz, mit Kind und Kegel im selben Bott wie ich saßen. Sie sahen aus wie Sodom und Gomorra und steckten wohl beide unter der gleichen Decke. Ich gab diesen beiden Affen Zucker, damit sie ihn sich gegenseitig in den Arsch blasen können. Das Boot fuhr direkt in die Hölle und wir kamen in Teufels Küche an. Dort schoben wir uns auf die lange Bank und mussten erst mal Tee trinken und abwarten. Wir hatten Hunger wie ein Bär und weil es nichts gab, mussten wir uns etwas aus den Fingern saugen und uns Honig ums Maul schmieren. Dann zogen wir uns genüsslich durch den Kakao.

Während im Anschluss eine Hand die andere wusch, fiel es uns wie Schuppen von den Augen: Hier ging es um die Wurst.

Plötzlich pfiff etwas aus dem letzten Loch und ich fing wie wild an, nach dessen Pfeife zu tanzen. Leider hatte ich von Tuten und Blasen keine Ahnung. Der freche Oskar kam hinzu und wollte nur etwas aus dem Nähkästchen plaudern. Da er kein Blatt vor dem Mund nehmen konnte, fiel er Hals über Kopf vom Regen in die Traufe und fuhr aus der Haut. Ich lachte mir nach Strich und Faden so Pi mal Daumen ins Fäustchen.

Man sagte mir, ich solle mich am Riemen reißen, denn ich sei hier nicht die Prinzessin auf der Erbse. Sie zeigten mir die Zähne. Ich war durch den Wind, ja sogar zu Tode betrübt. Ich, die kein Wässerchen trüben kann, die keiner Fliege was zu Leide tut. Ich sollte den Rand halten? Ich konnte ihnen kein Paroli bieten. Ich machte mir fast ins Hemd. Mir platzte der Knoten und so ließ ich endlich die Katze aus dem Sack.  

Ich nahm Anlauf, sprang über meinen Schatten, nahm die Beine in die Hand und zog meinen Schwanz ein. Die Kirche ließ ich im Dorf, rannte um mein Leben und war erneut auf der Flucht. Ich sah den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und ging mühsam über viele Eselsbrücken. Mir kam es spanisch vor, denn alle Wege waren sehr nah am Wasser gebaut und führten nach Rom. Müde ging ich mir langsam auf dem Keks. Ich musste aufpassen, nicht ins Fettnäpfchen zu treten.

Plötzlich hatte ich einen Ohrwurm, eine Laus lief mir über die Leber und ich fühlte mich wie gerädert. Mein Kopf rauchte. Ich hatte wohl Lampenfieber.

Ich hatte leider keine Steine mehr im Brett und zog die goldene Arschkarte. So fing ich an, den Teufel an die Wand zu malen, was eine richtige Sisyphusarbeit war.

Schwuppdiwupp schob ich mir etwas in die Schuhe, weil einer der Schuhe drückte und ging weiter, immer schön im grünen Bereich. Trotzdem bekam ich kalte Füße.

Endlich kam ich an ein Häuschen und bekam sofort einen Fuß in die Tür. Es war zwar noch nicht aller Tage Abend, dennoch wurde ich hundemüde, haute mich aufs Ohr und schlief wie ein Murmeltier auf Rosen gebettet. Ich schüttelte mir einen schönen Traum aus dem Ärmel und legte die Hand aufs Herz.

"Je später der Abend, desto schöner die Gäste" sagte der Hausherr Adam Riese und reichte mir endlich das Wasser.


Text: M. C. Schmid

(eine überarbeitete Version, August 2023)


Foto:pixaby

Ausländerkind