Freitag, 30. April 2021

Dienstag, 27. April 2021

Nur ein Mal umarmen



Ich träumte heut Nacht, ich hätt dich umarmt,

im Lichte der Straßenlaterne.

Ich fühlte die längst vergessene Kraft,

wenn ich mein Herz an deinem erwärme.

 

Die Arme geöffnet, die Körper noch scheu,

erwachten mit jeder Berührung.

Der Herrgott allein, wurde Zeuge heut Nacht,

der sehnsuchtsvollen Verführung.

 

Die Akkus der Herzen, luden sich auf,

der Mundschutz am Ärmel gebunden.

Atem traf Atem,

Haut steifte Haut

und heilte die seelischen Wunden.

 

Es sei ein Verbrechen, so bläut man uns ein.

Doch der Herrgott wird sich sicher erbarmen.

Ich wollte nichts Böses, ich tu keinem weh.

Ich wollt dich nur ein Mal umarmen.


M. C. Schmid 

Samstag, 13. März 2021

Ganz normale Gedanken

zu Coronamüdigkeit und gelernter Hilflosigkeit

Bildquelle: Pixabay

Wir Menschen handeln immer aus einem bestimmten Grund heraus. Wir nennen das Motiv. 

Die Motivation ist also der Antrieb, der aus den Motiven heraus entsteht, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. Hier unterscheiden wir zwischen einer „intrinsischen“ und einer „extrinsischen“ Motivation.

„Intrinsische Motivation“ ist, wenn Menschen, sogar nachts, an roten Ampeln stehen bleiben, auch wenn kein Auto kommt. Menschen, die wiederum nur dann bei Rot stehen bleiben, wenn ein Auto kommt oder ein Polizist in der Nähe ist, handeln aufgrund „extrinsischer Motivation“.

Seit nun genau einem Jahr Corona zeigt sich, dass die intrinsische Motivation der Menschen stark nachlässt. Viele Menschen fangen an, sich nur noch an die Regeln zu halten, wenn sie überwacht werden. Wir tragen die Maske, weil wir sonst Strafe zahlen müssen. Wir gehen nicht zu zweit zu Oma und Opa ins Haus, weil uns die Nachbarn vielleicht verpfeifen könnten. Wir geben beim Gesundheitsamt an, wir wüssten nicht, wo wir uns angesteckt hätten, weil der Fußballabend mit den Jungs strafbar wäre…

Doch warum verhalten wir Menschen uns nun so? Weil wir nach monatelangen Einschränkungen, ob wir sie nun nachvollziehen und verstehen können, oder nicht – das Gefühl bekommen, dass sich an der Lage ohnehin nichts ändert, egal wie wir uns verhalten.

In der Psychologie nennen wir sowas: „gelernte Hilflosigkeit“. Hierbei haben wir drei mögliche Arten zu reagieren: Entweder wir werden depressiv, wir werden aufsässig oder wir lassen es laufen!

Wenn ich mich so, in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, umsehe, stelle ich fest, dass alle drei Ausprägungen zum Vorschein kommen und sich über die Zeit hinweg massiv zu verstärken scheinen.

Zu welchem Reaktionsmuster hat es mich denn getrieben? Despression, Rebellion oder Apathie? Ich kämpfe mich täglich mit allen drein rum und versuche eine Balance zu schaffen, die mich durch den Tag trägt.

Sozialpsychologisch ist aber eines klar: „Eine Gesellschaft funktioniert nur dann, wenn die Menschen bereit sind, sich freiwillig an die Regeln zu halten. Das setzt voraus, dass man von den Regeln überzeugt ist.“

Und Hand aufs Herz! Sind wir das denn noch?

Verstehen wir noch die Regeln? Nein? Und warum? Weil sie keinen Sinn mehr machen!

Ich will uns Beispiele an dieser Stelle ersparen, ich glaube jedes Kind könnte mittlerweile ein Lied davon singen.

Problematisch für unsere psychische Gesundheit ist zudem die „verschobene Verantwortung“ der Politik auf die Gesellschaft. „Wir beobachten, wie sich der Inzidenzwert entwickelt, wenn er fällt, lockern wir, wenn nicht, lassen wir alles zu!“, das zeigt doch eindeutig, dass seit einem Jahr die Verantwortung allein auf das Individuum geschoben wird.

Wenn es also nicht besser wird, haben wir uns nicht genug zusammengerissen???

Wir sind also in jedem Fall schuld daran, dass wir Corona nicht besiegen. Und somit zieht sich der Staat mit all seinen feinen Politikern aus der Verantwortung, nichts, auch rein gar nichts Effektives zur Corona Bekämpfung zeitnah und effizient vollbracht zu haben.

Ich erinnere an dieser Stelle an die Werbung, in der ein Kind sagt: „…ich wasche meine Hände, damit Oma und Opa gesund bleiben!“ WHAT? Wie kann man Kindern diesen unglaublich großen und schweren Schuh der Verantwortung anziehen, den er niemals tragen kann und vor allem sollte. Im Umkehrschluss bedeutet das noch nichts anderes, als die Tatsache, dass wenn Oma oder Opa an Corona gestorben sind, ich -Kind - schuld daran bin, weil ich meine Hände nicht richtig gewaschen habe! Grausam diese Bürde, die dem Kind hier unterschwellig aufgetragen wird.  

Wie soll das alles nur weitergehen?

Wann und wie hört diese Pandemie denn nun auf?

Erfahrungsberichte der Geschichte zeigen, dass es zwei Wege gibt, wie eine Pandemie endet. Medizinisch oder sozial.

Das medizinische Ende kommt dann, wenn ein Großteil der Bevölkerung die Infektion überstanden hat oder durch die Impfung immun ist.

Das soziale Ende jedoch, findet in unseren Köpfen statt. Wir werden Corona-müde. Die Angst vor der Krankheit nimmt ab, die Aufmerksamkeit lässt nach, andere Themen gewinnen wieder an zentraler Aufmerksamkeit, wir nehmen die Einschränkungen nicht mehr vollends hin, wir trauen uns wieder mehr und mehr aus dem unsichtbaren Käfig der Politik heraus und lernen, mit der Krankheit zu leben.

Oder doch nicht? 

M.C. Schmid 

Dienstag, 24. März 2020

Mein verrücktes Leben und ich


und wieso ich nicht zum Trübsal blasen gemacht bin. 


Als ich 3 Jahre alt war…
kam ich in Quarantäne!
Vierzehn Tage lang, denn ich hatte Gelbsucht.
Alleine! Ohne meine Eltern oder einen Menschen, der mir nahe war.

Rumänien, Spätwinter, Kommunismus. Kinderkrankenhaus für isolierpflichtige Erkrankungen mit hohem Ansteckungsrisiko. Desolate Zustände: ein Zimmer, 5 Betten, 9 Kinder, ein Klo für die ganze Station, überfordertes Pflegepersonal.

Ich wiederhole, ich war 3 Jahre alt. Morgens gab es Toastbrot mit Tee, mittags Kartoffelpüree mit Klumpen, warm. Abends, Kartoffelpüree mit Klumpen, kalt.

Ich wurde ein Mal in dieser Zeit gebadet, von Dana, einem 10-jährigen Mädchen, mit der ich mir das Bett teilte. Dana hatte lange schwarze Haare und ein Muttermal am Kinn. Dana vergaß mich dann die ganze Nacht in der Badewanne. Ich saß bis zum Morgengrauen im eiskalten Wasser. 
Meinen Eltern war Betreten des Krankenhauses verboten!  An den Toren hingen schwere Schlösser.

Meine Eltern bestachen die Ärzte und Krankenschwestern mit Kaffee, Schokolade, Orangen und Bananen aus Deutschland. Ab diesen Moment hörte das Krankenhauspersonal auf, mich zu schlagen.


Als ich 5 Jahre alt war…
fiel ich aus einem fahrenden Auto auf die Bundesstraße.

Wir waren alle baden und fuhren wieder heim. Meine Großeltern, ein grünes Auto und 8 nasse Kinder auf der Rücksitzbank. Ohne Anschnallgurt, ohne Klamotten, in Badehosen, auf einer Decke.

Im Radio lief rumänische Volksmusik und die Stimmung war heiter. Wir legten uns in die Kurven wie echte Bobfahrer. Linkskurve. Rechtskurve. Linkskurve. Woom! Die Autotüre ging auf, ich fiel aus dem Auto hinaus, die Autotür ging wieder zu, das grüne Auto verschwand am Horizont. 

Ich knallte auf den Beton und blieb dort liegen!

Quietschende Reifen. Ein LKW kommt. Der LKW -Fahrer trägt eine Mütze. Wieso, es ist doch Sommer. Der LKW dreht sich um 180 Grad. Wieso stinkt es hier so verbrannt? Schmerzen! Jetzt steht der LKW schräg neben mir. Schmerzen! Wieso weine ich nicht! Schwarz. Alles Schwarz.

Dann, wieder hell, irgendwann. Ich höre mich atmen. Ich fühle die Schmerzen. 
Ich lächle. Ich freue mich. Omi hat mal erzählt, erst wenn man tot ist, hat man keine Schmerzen mehr. Doch mir tut alles weh.



Als ich 7 Jahre alt war…
hatte ich eine ziemlich lange Verhandlung mit Gott. 

„Ich habe alles getan, was in meiner Macht stand, den Rest erledigt der liebe Gott!“, sagte der verschwitzte Arzt im Unterhemd zu meinen Eltern, als er den OP verließ. 
Ich lag da drin, im OP- Saal. 
Ich und der liebe Gott und wir verhandelten um mein Leben. 

Ich kam mit einem Blinddarmdurchbruch samstagnachts in die Notaufnahme.
Kein Arzt war da! Kein Anästhesist. Nur ein paar Schwestern. Der Arzt sei beim Fischen, die OP wird auf Montag verschoben.  
Stunden später katastrophale Blutwerte, Telefonate, eilige Schritte, verwirrte Blicke, schnelles Atmen, Panik unter den Schwestern.

 „Das Kind muss operiert werden, sonst überlebt sie die Nacht nicht," erklärte jemand meinen Eltern.
Blutvergiftung. Der Doktor muss seinen Angelausflug unterbrechen. Er kommt. Aber es ist immer noch kein Anästhesist da, er ist im anderen OP. Egal, Notlösung? Ja, Notlösung.

Ich werde an die Hand genommen und in den OP gebracht. Der Steinboden unter meinen nackten Füßen ist eiskalt. Ich zittere. Da liegt jemand auf einem Tisch. Wieso liegt da jemand auf einem Tisch? Oh, es ist ein Junge. Da ist ein Arzt mit einer Maske. Es ist sehr laut. Er hat eine Säge. Was macht er da? Eine Schwester nimmt mich auf dem Arm und führt mich dahin. Ich kann es sehen. Dem Jungen werden gerade beide Beine abgesägt. Schwarz! Schwindel! Alles wird dunkel und dumpf um mich herum. Zumindest brauchte ich keinen Anästhesisten mehr.

Danach folgten 2 Wochen Intensivstation in desolaten Zuständen eines rumänischen Kinderkrankenhaus zu Zeiten des Kommunismus. Meinen Eltern war das Betreten der Intensivstation strengstens verboten. Sie fanden andere Wege, sie waren schlau. 

Meine Eltern bestachen die Ärzte und Krankenschwestern mit Kaffee, Schokolade, Orangen und Bananen aus Deutschland. Ab diesen Moment fing das Krankenhauspersonal damit an, mich wie einem Menschen zu behandeln.




Als ich 10 Jahre alt war…
flogen Hubschrauber über unserem Haus und beschossen die Welt unter ihnen.
Die Welt, auf der ich lebte!

1989, Dezember. 10 Tage lang durfte wir das Haus nicht verlassen, aus Angst erschossen zu werden.

„Geh weg vom Fenster!“, mein neuer Name in diesen Tagen, dabei wollte ich doch nur die Hubschrauber sehen und die bunten Funken, um sie herum.

Eine Kette von Demonstrationen, Unruhen und blutigen Kämpfen fanden in ganz Rumänien statt, insbesondere in meiner Heimatstadt, Sibiu. Soldaten mussten auf ihresgleichen schießen. Bruder, Mutter, Freund, Nachbar. Panzer überrollten jeden, wer sich ihnen in den Weg stellte. 
Die Revolution des Volkes führte zum Sturz und zur Hinrichtung unseres Diktators N. Ceausescu  und zum lang ersehnten Ende des realsozialistischen Systems in Rumänien.






Als ich 34 Jahre alt war…
hatte ich 7 Wochen absoluter Bettarrest. 

In der 25. Schwangerschaftswoche ging ich, für eine Untersuchung, ins Krankenhaus und kam 7 Wochen lang nicht mehr da raus. 

Ich durfte nicht gehen, nicht stehen, nicht sitzen – nur liegen.  Ich betone: nur LIEGEN.
Liegen bei allen menschlichen Bedürfnissen und Aufgaben, die man als noch lebender Mensch so hat. Ich betone, ich lag flach, ganze 7 Wochen, 50 Tage, 1.200 Stunden. 


heute werde ich 41 Jahre alt, ...
und ich habe seit genau 10 Tagen das Haus nicht mehr verlassen.

Ein unsichtbarer Feind hat sich wie ein Lauffeuer über unseren Planeten erstreckt und wir erleben gerade einen historischen, angstmachenden Moment, in dem die Zukunft ihre Richtung ändert.
Und schon wieder bin ich dabei, mit blankem Nichtstun -Zuhausebleiben- die Zeit weitmöglich auszusitzen.



Niemand hat gesagt, dass das Leben einfach sein wird.
Manchmal ist es ein richtiges Miststück, aber meistens ist es doch so wunderschön.

Und jetzt sitze ich da, an meinem Geburtstag, und blicke auf meine MoniVita zurück. Ein Stolperstein nach dem anderen, liegen auf meinem Lebenspfad zerstreut. Dazwischen aber auch viele bunte Blumen, harmonische Klänge, farbenfrohe Winde, strahlender Sonnenschein und wunderbare Wegbegleiter.

Stolpersteine haben wir alle im Leben. Große, kleine, eckige, runde.... doch liegt nicht der größte Sieg im Leben darin, wieder aufzustehen, anstatt liegen zu bleiben?

Jetzt erst recht! Steht auf!

Blickt zurück auf eurem langen Pfad durchs Leben, sucht nach den Stolpersteinen, die ihr bereits überwunden habt. Reiht alle zusammen, Stein für Stein, und baut euch daraus eine Brücke, eine Mauer, eine Festung, ja einen zweiten Boden.
Baut euch das Nötige, um die derzeitige Krise unseres Planten gesund überstehen zu können. Nutzt eure Blumen, eure Klänge, den Sonnenschein und eure liebevollen Beziehungen und alles, was eurer Leben sonst noch lebenswert macht und rüstet euch mit all diesen Ressourcen, für die Krise, die wir gegenwärtig zu bewältigen haben.

Wir können mehr, als wir denken!



Ein Vogel hat niemals Angst davor, dass der Ast unter ihm brechen könnte.
Nicht weil er dem Ast vertraut, sondern seinen eigenen Flügeln. (unbekannt)



Bleibt gesund! - Bleibt stark! - Bleibt Zuhause!

Eure Monika 


M.C.Schmid 



Donnerstag, 9. Mai 2019

Nein



Ihr Nein war so leise,
man hörte es kaum.
Es hing fest in der Schallwand, 
es verlies lautlos den Raum,
es schwamm unbeachtet durch
Beton und durch Stein.
Es durchbohrte die Stille
unbeachtet und klein
und löste sich auf,
in seinem Atemhauch,
von saurem Speichel
und Zigarettenrauch.
Klanglos, erschöpft,
außer Gefecht gebracht,
verlor es an Geltung,
Bedeutung und Macht.
Sie sah wehrlos zu
geschwächt, voller Angst,
wie sie in lähmender Ohnmacht,
um ihr Leben tanzt.
Ihr Nein war so leise,
doch Nein, heißt klar Nein!
Sie konnt weder rufen,
noch brüllen, noch schrein.
Sie schloss nur die Augen
in wimmernder Pein,
er wollte es gerne,
doch sie sagte Nein.

Mittwoch, 8. Mai 2019

Nur ein Mensch



Ich raste zu lange,
und find doch keine Ruh,
ich gehe zu langsam,
hab immer ein Steinchen im Schuh.
Ich verlier meine Ziele
verschenk meine Zeit,
ich plan meine Zukunft,
und bin doch nie wirklich bereit.

Ich will hoch hinaus,
doch ich schaff nie den Sprung.
Mal liegt es am Anlauf,
mal liegt es am Schwung.
Ich bin nur ein Mensch,
und verzweifele daran,
dass ich immer mehr will,
als was ich je haben kann.

Ich schwimm gegen Ströme,
statt mich in den Fahrtwind zu legen,
ich lauf oft im Kreis,
statt mich nach vorn zu bewegen.
Ich zerr an der Zeit,
davon brauch ich ganz viel,
denn nicht die Ankunft macht glücklich,
sondern das Wandern zum Ziel.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Keine Macht dem Valentin


Ich bin nicht gegen die Liebe, ich hab sie ganz gern, 
sie ist das Elixier unsres Lebens und insofern
lobe ich sie nicht heute, nein, jeden Tag,
weil ich sie nicht aufn Valentinstag reduzieren mag.

Ist das ein Scherz?
So viel Terz,
um den wilden Kommerz.
Enttäuschung und Schmerz,
ohne Schaumwein und Kerz'.
Ich beschütze mein Herz
und verzicht auf den Terz!

Ich bin nicht gegen die Liebe, wir zwei kommen gut aus
und wir schätzen uns beide, doch wofür heut der Applaus?
Eng umschlungen tanzen wir durch jeden Tag,
wir haben eine Verbindung, doch keinen Knebelvertrag.
Ich bin nicht in der Schuld, meine Liebe heut zu besingen,
Gefühl zu beweisen und Opfergaben zu bringen.
Ich wertschätze die Liebe, mit jedem Atemzug von mir,
und ich und sie sind in jeder Sekunde gemeinsam ein Wir.

Ich beschütze mein Herz,
verzicht auf den Terz.
Keine Macht dem Kommerz!

Monika C. Schmid 

PS: Ich bin nicht gegen die Liebe, ich hab sie ganz gern!

Meine Angst